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Eigentlich (k)ein Grund zum Feiern: Unser Schulhaus wird 75 Jahre alt
von
Martin Baus
Eiserne Ziffern über dem Eingangsportal markieren augenfällig das Jahr, in dem das stattliche Gebäude offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde. Auf genau 75 Jahre lässt sich so das Alter des Altstadter Schulhauses rechnen, und üblicherweise wäre ein solches Jubiläum auch hinreichend Anlass zum Feiern. Wenn aber die Rede auf die Altstadter Schule kommt, dann folgen zumeist allenthalben Sorgenfalten. Denn wie lange es noch möglich sein wird, die Säle mit Unterricht und damit mit Leben zu füllen, ist stets Gegenstand von Spekulationen. Eine eigenständige Grundschule ist sie jedenfalls längst nicht mehr, sondern nur eine Filiale von Limbach, die noch einige Klassen beherbergt. Ein neues Domizil für die Bücherei, ein Aufbewahrungsort für die umfangreiche regionale Gesteinssammlung von Arno Hübler, Treffpunkt und feste Bleibe für örtliche Vereine, auch die neue Nutzung als Montessori-Grundschule gehörten in den letzten Jahren zu den Spekulationen, was mit dem Bauwerk künftighin geschehen soll. Der Kirkeler Gemeinderat hatte freilich in seiner letzten Befassung die knappe Entscheidung getroffen, dass das Altstadter Schulhaus weiterhin als Standbein von Limbach genutzt wird. Und auch äußerlich auf Vordermann wurde das ausgewiesene Baudenkmal gebracht. Nach jahrelangen Bemühungen zieren jetzt wieder Fenster nach historischem Vorbild die repräsentative Fassade.
Nahezu drei Jahrhunderte reichen die Ursprünge der Altstadter Schulhistorie zurück. Der 1986 verstorbene Lehrer Wilhelm Ulrich hatte in seinen Recherchen die Geburtstunde der örtlichen Schule im Jahr 1717 ausgemacht. Den Stein ins Rollen brachte der damals amtierende lutherische Pfarrer Johannes Hildebrandt, der "mit einer geharnischten Eingabe an die Herrschaften in Ottweiler und Saarbrücken herantrat und verlangte, dass man dem Schulmeister ein Einkommen geben müsse, mit dem er einigermaßen subsistieren und beständig allda verbleiben könne".
Drei Jahre brauchten die Behörden, um über des Pfarrers Eingabe zu befinden. Und weitere vier Jahre danach, 1724 genau, stand das erste Altstadter Schulhaus, und zwar just an jener stelle, an der die Lappentascher Straße in die Ortsstraße mündet. Ein Jahrhundert lang blieb es in Betrieb, bis steigende Schülerzahlen und Reparaturanfälligkeit einen neuen Bau erforderlich machten. Es war zur Amtszeit von Philipp Jakob Siebenpfeiffer als königlich-bayerischem "Landcommissär" in Homburg; der streitbare Verwaltungschef setzte besondere Akzente auf die Verbesserung des Bildungswesens in seinem Kreis, baute rund 100 Schulen neu oder erneuerte sie grundlegend. Ein kircheneigener Garten an der Ruine des 1000 Jahre alten Gotteshauses neben dem Friedhof wurde zum Bauplatz erkoren, und praktischerweise wurde das alte Gemäuer gleich noch als Steinbruch benutzt. Einen geräumigen Lehrsaal erwähnt der Chronist ebenso wie ein Wohn- und Nebenzimmer sowie eine geräumige Stube auf dem Speicher. Ferner befanden sich dabei ein Vieh- und Schweinestall, so dass Landrat Siebenpfeiffer zur Einweihung 1825 feststellen konnte: "Das neue Altstadter Schulhaus ist landschaftlich sehr schön und gesund gelegen". Sozialwohnungen der Gemeinde Kirkel sind heute in dem Gebäude in der Turmstraße untergebracht.
Während Siebenpfeiffer das Schulprojekt noch zügig in die Tat umgesetzt hatte, war der Weg zum heutigen Jubiläums-Schulhaus zeitraubend und steinig. So war die Ortsschulkommission am 1. März 1914 der Überzeugung, dass der Neubau "so beschleunigt werden solle, dass derselbe am 1. Mai 1915 bezogen werden könne". Einen dicken Strich durch diese Zeitrechnung machte freilich der Erste Weltkrieg, und so zogen erst einmal weitere zehn Jahre ins Land, ehe im Januar 1924 die Pläne für das Projekt präsentiert wurden. In der heutigen Straße "Zum Galgenberg" sollten die Bauarbeiten beginnen, allerdings sorgte nun gähnende Leere im Gemeindesäckel für weitere Verzögerungen. Ehe Bürgermeister Felix Grub dem Altstadter Adjunkt Jakob Riedinger die Schlüssel zum heutigen Haus in die Hand drücken konnte, ehe die Schulkinder mit Brezeln in der Hand vom einen in das andere, jetzige Schulhaus feierlich ziehen durften, sollten weitere sechs Jahre vergehen. Und eine ruhige Entwicklung war dem architektonisch reizvollen Bauwerk auch nicht unbedingt beschieden: Von den Zerstörungen durch einquartierte Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg bis hin zu den Auseinandersetzungen um den Schulleiter in den 1990er Jahren, vom Anbau des Turnhallentraktes bis zur stilvollen Renovierung hat die nunmehr 75 Jahre alte "Volksschule" zahlreiche Wechselbäder hinter sich




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